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    Digital Marketing Kickoff 2017

    Dein Gehirn lügt dich an – So vermeidest du als Marketer den Bestätigungsfehler

    bestaetigungsfehler

    Den Bestätigungsfehler zu bezwingen erfordert Übung, Daten und konstantes Hinterfragen der eigenen Wahrnehmung. Foto: Pixabay

    Ich werde dir jetzt ein persönliche Frage stellen und möchte, dass du mir eine ehrliche Antwort gibst.

    Keine Sorge, du must die Antwort nicht laut sagen .. und keiner erfährt sie. Also:

    Hast du schon mal eine Information ignoriert oder abgetan, weil sie deiner Weltanschauung nicht entsprochen hat?

    Vielleicht hast du mal eine Überschrift gesehen, die deiner politischen Überzeugung widersprochen hat und deine Reaktion lautete: „Das werde ich sicher nicht lesen.“ Oder du hast möglicherweise einige nicht ganz so beeindruckende Daten in deinem Kampagnen-Bericht ausgelassen, um ihn etwas besser aussehen zu lassen, als er war.

    Wenn du mit „Ja“ geantwortet hast, dann bist du einfach so wie die meisten Menschen auf diesem Planeten. Die  Forschung der letzten 40 Jahre hat nämlich ergeben, dass das Favorisieren von Informationen, die deine Weltanschauung bestätigen, ein häufiges menschliches Verhalten ist.

    Dieser „Filter“ dient auch einem weiteren praktischen Zweck. Er hilft uns, indem er kognitive Energie konserviert und uns mit einer stabilen Wahrnehmung durch das Leben führt. Stell dir vor, wie schwierig es wäre, wenn wir für jede plötzlich auftauchende Informationen empfänglich wären?

    Informationen zu bevorzugen, die unsere Überzeugungen bestätigen, führt jedoch oft zu falschen Entscheidungen und teuren Fehlern im Marketingbereich (und allgemein im Leben).

    Wenn wir nicht vorsichtig sind, dann kann es passieren, dass wir Marketing für ein ausgedachtes Ziel-Publikum betreiben, das aus unseren eigenen Vorurteilen und Annahmen besteht – ohne es je zu merken. Das Ergebnis heißt Marketing, das hinter den Erwartungen zurückbleibt und keine wirkliche Auswirkung auf’s Publikum hat.

    Marketer: Konfrontiere dich mit deinem schlimmsten Feind

    Unsere Empfänglichkeit, Informationen so zu interpretieren, dass sie das, was wir bereits kennen, bestätigen, bezeichnen Psychologen als Bestätigungsfehler (englisch: confirmation bias).

    Obwohl sich dieser Prozess meistens unbewusst abspielt, schränken Bestätigungsfehler unsere Fähigkeit zur objektiven Analyse ein.

    Die Encyclopedia Britannica  schreibt dazu, dass “Menschen während einer Studie zu Bestätigungsfehlern mehr Gründe für ihre Einstellung zu einem kontroversen Themas generieren und sich daran erinnern konnten, als Gegenargumente finden konnten. Nur wenn ein Wissenschaftler die Menschen direkt aufforderte, Argumente gegen ihre eigene Überzeugung zu entwickeln, waren sie dazu in der Lage.“

    Nehmen wir die Präsidentschaftswahlen in den USA im Jahr 2016 als Beispiel. Beide Kandidaten hatten Entscheidungen getroffen, die die Frage aufkommen ließen, ob sie geeignet waren, die oder der nächste Präsident zu werden. Die meisten Trump-Unterstützer waren darauf bedacht, zu bekräftigen, dass ihr Kandidat besser geeignet war als Clinton. Clinton-Unterstützer wiederum waren darauf bedacht, zu bekräftigen, dass sie eine geeignetere Kandidatin war als Trump. Und Unterstützer auf beiden Seiten waren bereit, einige schwerwiegende Fehler bei ihrem eigenen Kandidaten zu übersehen – und gleichzeitig der Gegenseite vorzuhalten, diese würden die Fehler ihres Kandidaten ignorieren.

    “Bestätigungsfehler gehören in der Kognitionspsychologie zur Neigung des Menschen, Informationen so auszuwählen, zu ermitteln und zu interpretieren, dass diese die eigenen Erwartungen erfüllen – also nach positiven Beispielen zu suchen, die ihre These als richtig darstellt, anstatt Informationen zu präsentieren, die ihre Sicht als falsch darstellen könnte.“
    Quelle: Frei nach Wikipedia.

    Die aktuelle Kontroverse zu „Fake News“ ist ein weiteres gutes Beispiel aus der Praxis für einen Bestätigungsfehler. Objektiv betrachtet sollte jede einzelne Person (darunter Politiker und Journalisten) ein Interesse an journalistischer Integrität und wahrheitsgetreuer Berichterstattung aktueller Ereignisse haben. Nichtsdestotrotz beschäftigen sich vielen Menschen sowie die Leser lieber damit, ihre Vermutung zu untermauern, dass wohlmöglich einen „andere Seite“ falsche Nachrichten verbreitet – anstatt sich tatsächlich mit falschen Nachrichten allgemein zu beschäftigen oder eine eigene Recherche anzustreben.

    Bestätigungsfehler können auch dazu führen, dass wir uns an „sichere Orte“ flüchten, wo unsere Überzeugungen und Meinungen nicht infrage gestellt werden. Plattformen wie Facebook ermöglichen uns, unseren Newsfeed so einzustellen, dass wir nur Nachrichten erhalten, mit denen wir übereinstimmen (was auch der Natur der Sache von Likes entspricht). Wenn etwas, was unseren Meinungen nicht entspricht, sich doch den Weg zu uns bahnen sollte, dann blockieren wir es einfach. Wenn jemand etwas sagt, was uns nicht gefällt, dann können wir sie einfach als „Freunde“ löschen. Und so geht es weiter und weiter, bis man sich schließlich seine eigene Welt aus Bestätigungsfehlern gebaut hat, wo alle Meinungen untermauert werden und andere Meinungen schnell gelöscht werden, damit sie einen nicht verunsichern.

    Die Tendenz, seine eigene Meinung zu präferieren, stellt ein ernsthaftes Risiko für jeden Bereich dar, in dem versucht wird, Wahrheiten über die Welt zu entdecken – wie den Naturwissenschaften zum Beispiel.

    Wenn ein Wissenschaftler sich nur Daten ansieht, die ein gewünschtes Ergebnis unterstützen, dann wird die Studie fundamentale Fehler enthalten, da sie sich nur auf die Bestätigung konzentrieren wird anstatt auf den Informationsgehalt. Dies führt dazu, dass die Zielführung vorurteilig auf ein bestimmtes Ergebnis zusteuern und somit wertlos sein wird.

    Deswegen ist eine wissenschaftliche Methode bei der Untersuchungen so wichtig. Sie gibt vor, die eigenen Thesen von allen möglichen Perspektiven aus zu überprüfen und aktiv Beweise für die Gegenseite zu finden.

    Wenn man alles unternommen hat, um die eigene These zu widerlegen, und sie dennoch weiterhin Bestand hat, dann weiß man, dass man auf etwas Nachhaltiges gestoßen ist.

    Manchmal fällt es aber sogar Wissenschaftlern schwer, diesem Prinzip treu zu bleiben.

    Harper Lee How to kill a mockingbird Confirmation bias Bestaetigungsfehler

    Schütze dein Marketing vor dem Bestätigungsfehler

    Wie zu Beginn des Artikels angekündigt, kann der Bestätigungsfehler nachteilige Auswirkungen auf dein Marketing haben. Im restlichen Artikel werde ich dir daher die drei häufigsten Fallen erklären und dir Tipps geben, wie du ihnen aus dem Weg gehst.

    Falle 1: Marketing für ein ausgedachtes Publikum betreiben

    Wenn wir als Marketer andere Menschen beeinflussen und tatsächlich Einfluss auf ihre Kaufentscheidungen haben wollen, dann müssen wir erst verstehen, wer sie sind und wie ihre Welt aussieht.

    Wenn wir nicht vorsichtig sind, dann kann der Bestätigungsfehler unsere Sicht einschränken und es kann passieren, dass wir für ein Zielpublikum, das wir uns anhand unserer Annahmen und Vorurteile ausgedacht haben, Marketing betreiben.

    Durch eine eingeschränkte Sichtweise kann es sehr schwierig werden, das Verhalten anderer Menschen zu verstehen, vor allem, wenn dieses Verhalten von den eigenen Erwartungen abweicht.

    Anais Nin Confirmation Bias Bestaetigungsfehler

    Daraus ergibt sich oft ein allgemeines Marketing, das keinen großen Effekt auf das Publikum hat – oder noch schlimmer, zu einem Mangel an Mitgefühl führt und zu der Tendenz, den Nutzer etwas vorzuwerfen, anstatt sich zu fragen, wie man die Erfahrung für den Nutzer hätte verbessern können.

    Hier ein Beispiel, um diesen Prozess zu demonstrieren: Ich habe einmal für einen Kunden gearbeitet, der ein teures und komplexes, digitales Produkt, wofür man sich anmelden musste, verkaufte. Die Webseite präsentierte sehr kurze Produktseiten, die aus einer Abbildung und einigen Absätzen Text bestand.

    Die Annahme dahinter war, dass „Menschen online nicht lesen“ und man sich daher nicht damit abgeben sollte, detaillierte Informationen anzubieten.

    Als wir anfingen, Kundenstudien durchzuführen, stellte sich heraus, dass die Kunden viele wichtige Fragen und Bedenken hatten, die auf der Webseite einfach nicht behandelt wurden – alles von „Wie funktioniert die Anmeldung?“ zu „Gibt es versteckte Einrichtungsgebühren?“

    Auf Grundlage dieser neuen Erkenntnisse bauten wir neue Produktseiten, die so viele Fragen und Bedenken wie möglich beantworteten. Unsere Annahme lautete: Je besser zukünftige Kunden ein Produkt verstehen, umso eher würden sie konvertieren.

    Die neuen Seiten enthielten extrem viele Informationen im Vergleich zu den ursprünglichen Seiten und dies beunruhigte unseren Klienten. Trotzdem stieg der Umsatz innerhalb der ersten 14 Tage des Testlaufs dieser neuen Seiten um einen Betrag im fünfstelligen Bereich. Unser Klient war natürlich glücklich, aber sehr viel wichtiger – er hatte verstanden, wie wichtig Kundenrecherche ist.

    Wie man vermeidet, Marketing für ein ausgedachtes Publikum zu betreiben

    1. Akzeptiere die Tatsache, dass du falsch liegen könntest

    Wenn du automatisch annimmst, dass du recht hast, dann wirst du nicht besonders motiviert sein, nach neuen Informationen Ausschau zu halten – welchen Sinn hätte es, wenn du doch bereits entschieden hast, dass du richtig liegst?

    Andererseits wirst du viel offener für neue Informationen und andere Erklärungen sein, wenn du davon ausgehst, dass du nicht recht hast. Unvoreingenommen zu sein, ist ein sehr wichtiger erster Schritt, wenn es dir darum geht, die Wahrheit zu entdecken.

    In der Praxis heißt dies, dass du deine eigenen Ideen mit einer gesunden Skepsis angehen musst und eine offene Meinung zu alternativen Thesen behalten musst.

    Suche nach Beweisen für und gegen deine Schlussfolgerungen – so kannst du deine Annahmen überprüfen und feststellen, ob du auf etwas gestoßen bist, für das es sich lohnt, Geld und Zeit für zu investieren.

    2. Hol dir direkt von deinem Zielpublikum Input

    Du kannst massig Zeit damit verlieren, in einem Zimmer mit Marketern herumzusitzen und darüber zu philosophieren, was dein Zielpublikum möchte, aber der beste Weg, um deine Ideen und Annahmen zu stützen, ist, sich vom Zielpublikum direkt Input zu holen.

    Mein Ansatz dabei ist es, Nutzereinblicke so schnell wie möglich zu sammeln.

    Je nachdem, worum es gerade geht, wähle ich eine Methode und ein Tool aus, die mir helfen, die besten Einblicke so schnell wie möglich zu erhalten.

    Die Toolbox meines Vertrauens enthält:

    • Web-Analytics
    • Umfragen
    • Kundeninterviews
    • Usability-Testing
    • Studien
    • Click/Scroll-Maps
    • Session-Analytics
    • Form-Analytics

    Als Senior Conversion Optimizer bei Unbounce verbringe ich etwa 60% meiner Zeit damit, Studien durchzuführen, um mein Zielpublikum besser zu verstehen – wie sie unser Produkt betrachten und wie sie ticken. Ich glaube, dass ihre Antworten sehr viel nützlicher sind als mein Bauchgefühl.

    Meine Karriere als CRO ist aufgrund meiner Studien voller Aha-Momente. Vor allem Kundeninterviews haben zu wichtigen Entdeckungen geführt, die die Tatsache enthüllt haben, dass ich das Zielpublikum und was ihm wichtig ist, vollkommen falsch eingeschätzt hatte.

    Tests zur Nutzerfreundlichkeit können sich auch signifikant auf deinen Optimierungsansatz auswirken. Wenn du siehst, dass deine Kunden sich schwer tun – sich zum Beispiel im Checkout-Prozess zurechtzufinden – dann entwickelst du Mitgefühl mit ihnen. Es wird offensichtlich, dass sie nicht „dämlich“ sind.

    Diese Taktik ist besonders effektiv bei sehr stolzen und/oder dickköpfigen Klienten, die vorher nicht den Nutzen in einer Studie gesehen haben – also wenn die Unternehmensbrille besonders dicke Gläser hat.

    Zeige ihnen ein paar Tests über Nutzerfreundlichkeit, die echte Frustration seitens der Kunden aufzeigen, und sogar der dickköpfigste CEO wird ein Interesse dafür entwickeln, daran etwas zu ändern (und deine Arbeit wird sehr viel einfacher).

    Du willst ein Kunden-Interview durchführen?

    Hier sind 10 Fragen die sich speziell an neue Kunden richten und es dir ermöglichen Informationen zum Kauf-und Entscheidungsprozess deiner Zielgruppe zu erhalten.
    Durch Eingabe deiner E-Mail, erhältst du wöchentlich Unbounce Blog-Updates und andere Ressourcen, die dir helfen, deine Marketing-Aktivitäten noch mehr zum Erfolg werden zu lassen.

    Falle 2: Beweise ignorieren, die deine Annahmen infrage stellen

    Bestätigungsfehler können die Qualität deiner Daten ernsthaft kompromittieren und du musst dies im Kopf behalten, damit du nicht von deinen eigenen Studienergebnissen gefoppt wirst.

    Ich liebe diesen Kreislauf in der Abbildung unten, weil er eine häufige Falle, die man als Wissenschaftler-Fluch bezeichnen könnte, sehr gut darstellt:

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    Ich habe mit gutgläubigen promovierten Wissenschaftlern zusammengearbeitet, die alle Prinzipien eines wissenschaftlichen Prozesses vergessen hatten, weil sie sich zu sehr über Untersuchungen freuten, die ihre These bestätigten. Bildquelle.

    Aus persönlicher Erfahrung weiß ich, wie schnell Daten sehr uninteressant werden können, wenn man herausfindet, dass sie tatsächlich das Gegenteil dessen, was man erwartet hatte, aufzeigen.

    Und weil unsere Jobs davon abhängig sind, dass wir Ergebnisse liefern, kann es sehr verlockend sein, die Daten nur ein kleines bisschen anzupassen, sodass wir als die Guten erscheinen. Wenn du es dir vornimmst, kannst du sehr leicht Übereinstimmungen innerhalb deiner Daten finden, die einfach gar nichts mit der echten Welt zu tun haben.

    Nachfolgend siehst du ein großartiges Beispiel von tylervigen.com. Diese Tabelle zeigt dir eine sehr enge Übereinstimmung zwischen der Scheidungsrate in Maine und dem Verzehr von Margarine pro Einwohner zwischen den Jahren 2000 und 2009 an.

    Auf Grundlage dieses Datentests wäre die logische Schlussfolgerung, dass der Schlüssel zu einer langen und glücklichen Ehe darin liegt, keine Margarine zu essen (zumindest, wenn man in Maine lebt).

    divorce-rate-in-miane

    Beispiele wie dieses zeigen, wie wichtig es ist, die Disziplin aufzubringen, die eigene Suche nach der Wahrheit voranzutreiben und gleichzeitig mutig genug zu sein, zuzugeben, dass man vollkommen falsch liegen könnte.

    Die Langzeit-Effekte von tendenziös gesammelten Daten können katastrophal sein. Wenn wir anfangen, falsche Beobachtungen als die Wahrheit anzunehmen, dann entfernen wir uns von der Realität. Und je mehr wir uns von der Realität entfernen, umso weniger werden wir mit unserem Marketing unser Publikum beeinflussen.

    Wie man verhindert, Beweise zu ignorieren, die die eigene Sichtweise infrage stellen

    1. Behandle deine Daten mit einer gesunden Portion Skepsis

    Es ist leicht, skeptisch mit den Daten anderer umzugehen – aber schwieriger, wenn es sich um die eigenen Daten handelt.

    Deshalb ist es so wichtig, sich anzugewöhnen, die eigenen Ergebnisse und Schlussfolgerungen zu hinterfragen. Man sollte seine Ergebnisse immer mit einer gesunden Portion Skepsis angehen und kritische Fragen stellen:

    • Habe ich angemessene Untersuchungsmethoden verwendet?
    • War mein Ansatz hinsichtlich der Datenanalyse angemessen?
    • Habe ich eine Verzerrung während der Studie herbeigeführt (z. B. durch Suggestivfragen)?
    • War meine Stichprobe repräsentativ für die Population oder das Segment, über das ich mehr erfahren möchte?
    • War meine Stichprobe groß genug, um von Bedeutung zu sein?

    Erziehe dein Gehirn dazu, nach Unstimmigkeiten in deinen Theorien zu suchen. Und wenn du eine findest, dann gehe sie von allen Seiten an, anstatt sie unter den Teppich zu kehren.

    Ich weiß, dass es weh tut, aber vertrau mir, wenn ich dir sage, dass es sich auf lange Sicht auszahlt. Das Ziel lautet nicht, zu beweisen, dass man recht hat, sondern Einsichten zu erhalten und etwas zu lernen.

    2. Suche aktiv nach Bestätigungsfehlern in deiner Untersuchung und in deinen Daten

    Bestätigungsfehler können sehr schwierig zu fassen sein, wenn man nicht aktiv danach sucht. Anzeichen dafür sind:

    1. Bestimmte Daten zu bevorzugen und/oder Informationen auszusparen, weil man seiner eigenen Agenda mehr Bedeutung zumisst als der Wahrheit.
    2. Die eigenen Schlussfolgerungen so anzupassen, dass sie das Anfangsziel beweisen.

    Tritt ab und zu einen Schritt zurück und sieh dir mit kritischem Blick an, was du tust.

    Und noch einmal: Es ist essenziell den Mut zur Einsicht zu besitzen, dass man vollkommen falsch liegen könnte. Ansonsten ist es sehr wahrscheinlich, dass man automatisch seine voreingenommenen Ideen verteidigen wird, als sie kritisch zu untersuchen.

    Falle 3: Beobachtungen auf eine unrealistisch große Gruppe zu übertragen

    Ein weiterer häufiger Fehler aufgrund von Bestätigungsfehler bei einer Beurteilung besteht darin, die eigenen Ergebnisse zu übertreiben und auf eine Gruppe zu übertragen, die viel größer ist als die eigentliche Mustergruppe.

    Bestätigungsfehler können die Grenzen verwischen und dich davon überzeugen, dass deine Beobachtungen mehr Bedeutung besitzen, als sie es tatsächlich tun.

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    Ein klassisches Beispiel ist der gute alte Button-Farbe-Test.

    Wenn man herausfindet, welche Farbe am besten auf einer Landing Page funktioniert, heißt das noch lange nicht, dass es auch annähernd auf einer anderen Landing Page funktionieren muss. Ein grüner Button würde sicher nicht auf einer Seite herausstechen, wo alles andere auch grün ist – in diesem Fall wäre ein roter oder orangefarbener Button eine viel bessere Wahl im Sinne eines Kontrasts.

    Dies erscheint einem im Nachhinein sehr klar, aber ich treffe immer noch auf Menschen, die Dinge sagen, wie: „Es sollte nicht rot sein, jeder weiß, dass grün immer viel besser ist!“

    Verallgemeinerungen wie diese sind immer sehr bequem. Sie vereinfachen die Welt und reduzieren unser Bedürfnis für Analyse und kritisches Denken bedeutend. Leider verstecken sie die Wahrheit auch sehr effektiv.

    Wie man verhindert Beobachtungen auf eine unrealistisch große Gruppe zu übertragen

    1. Frag dich: „Wie viele Beispiele habe ich tatsächlich?“

    Ein oder zwei Vorkommnisse bedeuten NICHT, dass man sie direkt auf einen weiteren Fall übertragen kann. Man muss es immer und immer wieder wiederholen können, bevor man sie als „Regel“ bezeichnen kann. 

    Wenn du gute Ergebnisse erhältst, weil du einzeilige E-Mails in Verbindung mit einem sehr einfachen und sehr wünschenswerten Angebot versendest, heißt es noch lange nicht, dass du die gleichen Ergebnisse in Verbindung mit einem genau geprüften, teuren und unbekannten Angebot erhalten wirst. (So wie ein oder zwei schlechte Erfahrungen mit jemanden aus einem anderen Kulturkreis nicht bedeuten, dass jede Erfahrung mit jemandem aus diesem Kulturkreis genauso schlecht sein wird.)

    Die Lösung hier ist eigentlich sehr einfach, aber sie erfordert sehr viel Übung und Disziplin, um ein natürlicher Teil des eigenen Entscheidungsprozesses zu werden. Deshalb sollte man seine Ergebnisse immer kritisch überprüfen und nicht anhand von eingeschränkten Beweisen Schlussfolgerungen ziehen. Sei nicht nachlässig und suche nach weiteren Beispielen für jede Feststellung.

    2. Eigne dir Statistik an

    Eine weitere solide Lösung (wenn auch etwas zeitaufwendiger) ist es, sich Statistik von Grund auf anzueignen. Statistiken verhelfen einem zu einem Realitätscheck, indem sie einige sehr nützliche Regeln anbieten, die einem sehr dabei helfen, zu überprüfen, ob die eigenen Ergebnisse tatsächlich Bestand haben und nicht einem Zufall entstammen.

    Jedes Mal, wenn man sich Daten ansieht, war Statistik mit im Spiel. Und wenn man Statistik nicht versteht, dann ist es schwierig, die von einem Kollegen oder einem Tool präsentierten Daten zu überprüfen.

    Weißt du nicht recht, wo du anfangen könntest? Schau dir diese Quellen an:

    Abschließende Worte

    Unsere Gehirne leisten sehr viel Arbeit im Autopilotenmodus. Und obwohl es beruhigend ist, zu denken, dass wir alles kontrollieren, lautet die Wahrheit, dass wir viele Entscheidungen treffen, ohne den Denkprozess, der uns dazu geführt hat, zu verstehen.

    Wenn du lernst, wie dein Gehirn funktioniert und welche Einflüsse sich auf deine Entscheidungen auswirken, wird es dir dabei helfen, viel klarer zu denken und bessere Entscheidungen zu treffen. Mehr noch – es wird dir helfen, dich selbst und die Menschen um dich herum zu verstehen – also wichtige Fähigkeiten, die deine Marketing-Ergebnisse und dein Leben allgemein verbessern.

    Ich habe dir einige der verbreitetsten kognitiven Verzerrungen vorgestellt, mit denen wir Menschen zu kämpfen haben und dir einige einfache Tipps präsentiert, wie du diese als Marketer identifizieren und handhaben kannst. Versuche in den folgenden Wochen, einige dieser Tipps anzuwenden. Vergiss nicht: Je mehr du übst, umso einfacher wird es.

    Der richtige User Research Mix

    Dieser Artikel wurde von Christian Kleemann für den deutschsprachigen Blog angepasst. Er freut sich über deinen Kommentar.

    Über Michael Aagaard
    Michael ist Conversion-Rate-Optimierer bei Unbounce. Wenn er nicht populärer Speaker auf internationalen Bühnen unterwegs ist, sucht er nach neuen Wegen, um Prozesse zu optimieren und die Conversions zu steigern. Verbinde dich mit ihm auf Google+ und Twitter.
    » Mehr Blog Posts von Michael Aagaard
    • Hallo ihr Süßen, in Eurem obigen Formular „Du willst ein Kunden-Interview durchführen?“ gibt es zwar den Hinweis, dass die Felder Pflichtfelder sind – jedoch fehlen die Fragen oder ein Hinweis auf die Art der im Formular bereitzustellenden Information… wäre an Aufklärung interessiert und kann nur raten:
      Feld 1 – mein Name
      Feld 2 – meine E-Mail
      Feld 3 – Newsletterermpfang?
      Feld 4 – Unternehmensgröße/Anzahl Mitarbeiter.
      Habe ich richtig geraten?

      • Danke Hanno,

        Hast du dich denn selber schon dabei ertappt, in eine der Fallen gegangen zu sein?

        Grüße, Ben

    • Hallo Michael,

      der Bestätigungsfehler ist ein spannendes Thema. Ein paar Anmerkungen.

      1. „In der Praxis heißt dies, dass du deine eigenen Ideen mit einer gesunden Skepsis angehen und eine offene Meinung zu alternativen Thesen behalten musst.“
      Stimmt, eine gesunde Portion Skepsis ist auch/gerade bei den eigenen Dingen angebracht. Schließlich muss ich den Kunden und nicht mich selbst überzeugen, wenn ich etwas verkaufen möchte.
      2. „Das Ziel lautet nicht, zu beweisen, dass man recht hat, sondern Einsichten zu erhalten und etwas zu lernen.“ Stimmt, deshalb versuche ich, auch wenn ich eine andere Meinung habe, anderen Argumenten gegenüber offen zu sein und mir zu überlegen, ob meine Meinung eventuell revidiert werden muss (s. a. u. 1.).
      3. „Unsere Gehirne leisten sehr viel Arbeit im Autopilotenmodus. Und obwohl es beruhigend ist, zu denken, dass wir alles kontrollieren, lautet die Wahrheit, dass wir viele Entscheidungen treffen, ohne den Denkprozess, der uns dazu geführt hat, zu verstehen.“ Stimmt, wir treffen viele Entscheidungen emotional basierend auf unseren Erfahrungen. Wenn wir uns später Gedanken dazu machen, können wir die Gründe dafür aber herausfinden, warum wir uns so entschieden haben.

      Die bequeme Komfortzone muss man dazu auch mal verlassen.

      Und im Internet müssen wir uns auch darüber im Klaren sein, dass wir beeinflusst, gelenkt und auch manipuliert werden durch die Werbung, die wir abgestimmt auf unsere Aktivitäten im Netz erhalten, oder die Timeline, die wir in sozialen Netzwerken sehen, die oft nicht mehr chronologisch erscheint sondern sich nach unseren „Vorlieben“ richtet.

      Viele Grüße
      Claudia

      • Hallo Claudia,

        Ich antworte für meinen dänischen Kollegen Michael.

        Ich freue mich, dass der Beitrag dir gefällt. Es ist wirklich interessant, wie sehr wir uns in dem Autopiloten hingeben und vom Unterbewusstsein lenken lassen.

        Die gefährliche Komfortzone ist das Resultat, die vielen Unternehmen zum Verhängnis wird.

        Die Daten, die wir brauchen, um intelligente Entscheidungen zu treffen, sind da – wir müssen sie nur nutzen!

        Grüße, Ben

    • Sylvia Ewerling

      Vielen Dank für diesen im Wust von Online-Marketing-Artikeln herausragenden Beitrag!!