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    Digital Marketing Kickoff 2017

    "Es gibt keine qualifizierten Speakerinnen im Marketing" und andere Ausreden von Veranstaltern

    Grafiken von Alejandra Porta/Unbounce.

    Ich habe an genügend Technologie- und Marketing-Events teilgenommen, um mir einige Verallgemeinerungen dazu erlauben zu können:

    1. Frauen sind vollkommen unterrepräsentiert; egal ob es sich um eine Podiumsdiskussion oder die Aufstellung der Redner/innen auf einer Konferenz handelt, meistens findet man dort hauptsächlich weiße Männer.
    2. Sexismus ist weit verbreitet und reicht von subtil (z. B. Unterrepräsentation und pink gehaltene Girls’ Lounges im Rahmen der dmexco) bis offen (z. B. Belästigung, Annäherungsversuche ohne gegenseitige Zustimmung).

    Es gibt Ausnahmen (gibt es ja immer), aber dieser Zustand ist die Regel und überschattet die Branche, in der Du und ich tätig sind.

    Um es ganz deutlich zu sagen — ich möchte hier niemanden schelten. Als ehemalige Organisatorin habe ich meinen Teil dazu beigetragen.

    Als ich vor vier Jahren die erste Call to Action-Konferenz (CTAConf) von Unbounce organisiert habe, lud ich vier Frauen als Rednerinnen ein und zwei davon nahmen an einer Podiumsdiskussion teil. Die anderen sieben waren — richtig, weiße Männer.

    Meine Begründung war die übliche: „Es gibt nicht genügend weibliche Rednerinnen.“

    Was natürlicher kompletter Blödsinn ist. Außerdem ist eine solche Argumentation inakzeptabel. Und es ist auch kein zulässiger Grund — es ist eine Ausrede. Der eigentliche Grund war, dass ich mich nicht genug angestrengt hatte.

    Ich habe mein Netzwerk nicht nach Empfehlungen gefragt. Ich habe nicht ausreichend recherchiert. Ich habe keinen zusätzlichen Aufwand betrieben, um den Pool an Rednern zu erweitern. Ich fühlte mich der Gender-Debatte nicht verpflichtet.

    Spulen wir bis zum heutigen Tag vor. Meine Einstellung hat sich vollkommen verändert. Nicht nur, weil es mir persönlich wichtig ist, sondern auch, weil es unternehmenstechnisch Sinn ergibt.

    Wenn man nämlich immer den gleichen Pool an Rednern heranzieht wie alle anderen in der Branche, dann sieht alles aus wie Weißbrot — langweiliges und grenzwertiges Junkfood. Deine Konferenz sieht genauso aus wie die Konferenz, die vor einigen Monaten stattfand. Und der Inhalt? Jupp, der auch.

    Indem wir tiefer graben und unsere Suche ausbreiten, entdecken wir neue Talente mit neuen Perspektiven und neuen Themen, über die unser Publikum etwas lernen kann. Und man zeigt Teilnehmerinnen, dass ihre Stimme und ihre professionelle Entwicklung wichtig ist.

    Und habe ich bereits erwähnt, dass man damit Eintrittskarten verkauft und mehr Teilnehmerinnen anzieht?

    Moz, die ihre eigene Konferenz MozCon veranstalten, berichten, dass die Anzahl der Teilnehmerinnen prozentual zur zunehmenden Anzahl an Speakerinnen anstieg.

    Ich sehe sehr viel Fortschritt, was Gender-Diversität im Bereich Marketing und Technologie angeht. Die Menschen stellen Fragen, sie nehmen Unternehmen in die Verantwortung, sie führen hartnäckige Diskussionen, und all dies ist ein guter Anfang.

    Aber was unternehmen Menschen tatsächlich dagegen?

    Dieser Post untersucht spezifische Schritte, die Du unternehmen kannst, um die Geschlechter-Diversität bei Deinem nächsten Event zu verbessern. Sie sind das Ergebnis eines ehrlichen, wohlmeinenden Bedürfnisses, das Richtige zu tun, und das Ergebnis unserer eigenen, zum Teil peinlichen Versuche (mehr dazu unten).

    Ich hoffe, dass diese Tipps und Strategien Dir und Deinem Unternehmen dabei helfen, diesen Schritt zu gehen.

    Verpflichte dich der Geschlechter-Diversität

    Bei Unbounce führen wir seit Monaten Unterhaltungen zu Geschlechter-Diversität, und als uns Unbounce-CEO Rick Perrault aufgefordert hat, uns bei der CTAConf 2017, der Geschlechter-Diversität zu verpflichten, war die Antwort ein lautes JA, JA, JA.

    Bei jedem Slack-Eintrag ein weiterer Schritt in Richtung Fortschritt.

    So einfach ist es. Und trotzdem ist es auch noch ein bisschen komplexer.

    Die Wahrheit lautet, dass es doch etwas länger gedauert hat und etwas mehr Aufwand benötigte, um eine Geschlechter-Diversität zu erreichen. Aber das Ergebnis ist eine dynamischere Speaker/innen-Liste und eine Möglichkeit, ein Publikum anzusprechen, das sonst nicht bei Deinem Event erschienen wäre.

    [Tweet: „Geschlechter-Diversität führt zu einer dynamischen Speaker/innen-Liste. @smgrieser“]

    Wie haben wir unsere Liste mit talentierten Männern und Frauen gefüllt? Und wichtiger, wie kannst Du das Ergebnis kopieren?

    1. Nutze Deine sozialen Netzwerke und frag über Facebook, LinkedIn, Xing und Twitter nach Empfehlungen (wie es Unbounce Mitgründer Oli Gardner für den Unbounce Road Trip im Jahre 2015 gemacht hat).
    1. Nutze bereits bestehende umfassende Listen, wie die meines Kollegen Ben Harmanus mit 75 Marketing-Expertinnen, mit denen Du Dich verbinden solltest.
    2. Tausche vergangene Speaker/innen-Listen und Bewertungen mit Deinem Netzwerk an Event-Organisatoren aus. Ich habe alle Event-Organisatoren, die ich kannte, nach ihren vergangenen Speaker/innen-Listen und Bewertungen gefragt und im Gegenzug unsere Liste und Bewertungen angeboten. Diese Taktik ist eine meiner bevorzugten Vorgehensweisen und damit haben wir uns Speakerinnen für die CTAConf gesichert.
    3. E-maile früheren Moderatoren und Rednern und bitte sie um Empfehlungen. So haben wir Claire Suellentrop gefunden, die auf der diesjährigen Konferenz darüber sprechen wird, wie man mit dem Jobs-To-Be-Done-Framework hoch-konvertierende Kampagnen erstellt.

    Fördere die Frauen in Deinem eigenen Unternehmen

    Ich bin fest davon überzeugt, dass jeder über etwas Wissenswertes verfügt, das er anderen beibringen kann. JEDER. Unabhängig vom Geschlecht, vom Alter, von der beruflichen Stellung, jeder ist auf irgendeinem Gebiet ein Experte oder eine Expertin.

    Diese Überzeugung hat mir den Mut gegeben, meine eigene Hand zu heben und mich dafür zu bewerben, auf der letztjährigen CTAConf zu sprechen.

    Ich war bis zu diesem Zeitpunkt keine bekannte Rednerin, eher eine Gelegenheits-Rednerin. Ich habe auf kleineren Events gesprochen, aber ich bin nicht so berühmt wie Seth Godin und reise nicht um die Weltkugel, um auf Konferenzen oder Branchen-Events aufzutreten.

    Ich befand mich in der Bredrouille: Einerseits konnte ich ohne Erfahrung keine Rednerin werden, andererseits konnte ich keine Erfahrungen sammeln, weil ich keine Rednerin war.

    Aber statt sich auf das zu konzentrieren, was mir fehlte, legte das Komitee, das die Redner auswählte, das Gewicht auf all das, was ich zu bieten hatte: Enthusiasmus und sehr viel Erfahrung im Bereich Event-Marketing.

    Nachdem das Komitee ihre Entscheidung getroffen hatte, verbrachte ich zwei Stunden damit, meinen Vortrag mit Oli (Gardner) zu besprechen. Außerdem gingen er und der Unbounce Senior Conversion Optimizer Michael Aagaard meine Folien mehrere Male durch und gaben konstruktives Feedback.

    Diese Expertise half mir dabei, die Lücken in meinem Lebenslauf zu füllen, sodass ich mich gut vorbereitet und unterstützt fühlte.

    Und rate mal, wie es lief? Es lief sehr gut.

    Deshalb haben wir dieses Jahr einen Speaker-Slot auf der CTAConf für Mitarbeiter reserviert und eine Umfrage nach Bewerbern versendet. Die Resonanz überraschte uns sehr: vier Bewerber, und alle vier waren Frauen. Und obwohl die Wahl sehr schwer fiel, freut es mich sehr, mitteilen zu können, dass Alexa Hubley – Customer-Communications- Spezialistin und erstmalige Konferenz-Rednerin – einen Vortrag zum Thema „Verbessere Customer Marketing, indem Du Dir romantische Komödien ansiehst“ auf der Bühne der CTAConf 2017 präsentieren wird.

    Also, was kannst du tun, um Geschlechter-Diversität auf Deinem bevorstehenden Event zu verbessern? Du kannst gleich in Deinem eigenen Unternehmen anfangen. Fordere leistungsstarke Frauen in Deinem Unternehmen dazu auf, bei Events als Rednerinnen aufzutreten und biete ihnen Betreuung und Unterstützung, um auf die Bühne zu steigen.

    Und wenn du ein Mann bist, der gefragt worden ist, auf einem Event als Redner aufzutreten, dann überlege, ob es eine Frau gibt, die genauso qualifiziert ist, über das Thema zu reden.

    Unbouncer Ben hat schon öfter mit Erfolg auf Kolleginnen in der Branche verwiesen, beispielsweise Inken Kuhlmann von Hubspot oder Julia Lenhard von GoToWebinar (LogMeIn). Wenn es eine Frau gibt, dann biete Deinen Slot an. Oli hat dies beispielsweise getan, als er mich als Rednerin für die CIMC 2017 empfahl.

    [Tweet: „Zu viele Redner auf einer Konferenz? Biete Deinen Slot einer Frau an. @smgrieser“]

    Stelle einen Verhaltenskodex auf

    Ein klarer Verhaltenskodex hilft dabei, eine sichere Umgebung für deine Mitarbeiter und deine Event-Teilnehmer zu gestalten. Stelle klar, was akzeptables Verhalten darstellt und was nicht.

    In Bezug auf Diversität sind Verhaltensregeln ein besonders hilfreiches Mittel, um Frauen ein Gefühl von Sicherheit zu geben, weil es strikte Vorgaben hinsichtlich Diskriminierung und Belästigung gibt.

    Die Vorgabe, einen Verhaltenskodex aus dem Nichts zu erstellen, kann einen im Vorfeld etwas einschüchtern, und deshalb schlage ich vor, sich von bereits existierenden Richtlinien inspirieren zu lassen und seine eigene persönliche Note hinzuzufügen.

    Als wir unseren Verhaltenskodex erstellten, nahmen wir uns ein Beispiel an anderen Unternehmen, die wir bewunderten, vor allem Moz und Atlassian.

    Wistia haben einen herausragenden Artikel darüber geschrieben, wie und warum sie ihren Verhaltenskodex für WistiaFest erstellten, und auf welche Weise sie ihn veröffentlichten. Da sie bescheidene Menschen sind, hoben sie das, was sie verbessern können, heraus, damit man von ihren Fehlern lernen kann.

    Drei Hauptprinzipien haben alle Verhaltensrichtlinien gemeinsam:

    1. Sei freundlich/respektvoll/offen
    2. Sei professionell
    3. Sei umsichtig und hilfsbereit
    Wistias “Goldene Regeln”. Bildquelle: Wistia.

    Ein guter Anfang ist es, diese drei Hauptprinzipien und die wichtigsten Werte Deines Unternehmens miteinzubeziehen.

    Und vergiss nicht – es gibt keine Regeln, wenn es darum geht, einen Verhaltenskodex zu erstellen, außer dieser einen –Du musst bereit sein, ihn umzusetzen.

    Setze Deinen Verhaltenskodex um

    Ein Verhaltenskodex ist wie eine Versicherung: Du hoffst, dass Du nie darauf zurückgreifen musst, aber unter unangenehmen Umständen wirst Du froh sein, sie zu haben.

    Auf der diesjährigen Konferenz hat unser Verhaltenskodex oberste Priorität und wird auf mehreren Plakaten auf unserem Event zu sehen sein.

    Außerdem wird er auf der CTAConf-Webseite und in der App zu lesen sein. Und es wird leicht, eine Verletzung zu melden, da im Verhaltenskodex die direkte Telefonnummer unserer Event-Maketing-Koordinatorin aufgeführt wird.

    Ich darf zwar die Einzelheiten der einzelnen gemeldeten Verstöße nicht nennen, aber ich versichere, dass wir den Code mehrmals umgesetzt haben, sowohl mit Teilnehmern als auch mit Rednern.

    Ja, Rednern.

    Erinnerst Du dich noch, dass ich oben von einigen zum Teil peinlichen Versuchen gesprochen habe?

    Live-Events können schwierig sein. Du hast eine sehr leidenschaftliche Person auf der Bühne, die sehr aufgeregt und vielleicht etwas nervös ist. Du weißt nicht, was sie sagen wird. Man hofft, dass es nicht beleidigend sein wird, aber man hat keine Garantie.

    Allerdings hat man über ihren Content Kontrolle, vor allem über ihre Folien. Nur mussten wir dies auf schmerzhafte Art erfahren:

    Wir danken Annette dafür, dass sie uns darauf aufmerksam gemacht hat. Es handelte sich nicht um unsere Folie, aber als Gastgeber sind wir für die Folien, die unsere Gäste zu sehen bekommen, verantwortlich. Punkt.

    Was haben wir unternommen, um sicherzustellen, dass sich dieser Vorfall nicht wiederholt? Wir haben uns auf unseren Verhaltenskodex berufen.

    1. Wir schicken all unseren Speaker/innen unseren Verhaltenskodex im Vorfeld per E-Mail zu.
    2. Wir führen den Verhaltenskodex in unseren Richtlinien für Redner/innen mit auf. Dort steht alles, was sie wissen müssen, z. B. Kontaktinformationen, Anreise- und Unterkunftsinformationen und Einzelheiten zu den Folien.
    3. Wir kontrollieren und nehmen alle Folien ab, und zwar jede einzelne, um sicherzustellen, dass sie keinen beleidigenden und diskriminierenden Content enthalten.
    4. Redner/innen, die sich nicht an unseren Verhaltenskodex halten, werden nicht wieder eingeladen.

    Und nächstes Jahr werden wir eine Seite aus dem Buch von Moz übernehmen und unseren Verhaltenskodex in unseren Speaker- und Sponsoren-Verträgen mit aufführen.

    Bereitet uns dieser Aufwand zusätzliche Arbeit? Absolut. Aber wir rechnen es jetzt mit ein. Und das Ergebnis ist unbezahlbar.

    Wir haben noch viel zu tun

    Dir ist vielleicht aufgefallen, dass dieser Post sich darauf konzentriert, wie man Geschlechter-Diversität bei einem Event garantiert und nicht ein grundsätzlich diverses Event. In Wahrheit können wir alle mehr machen, Menschen, die üblicherweise nicht als Redner/innen zu einer Konferenz eingeladen werden, zu unterstützen – nicht nur weiße Frauen, sondern auch Menschen unterschiedlicher Hautfarbe und Angehörige der LGBTQ-Community.

    Wir wissen, dass wir noch mehr wachsen müssen und wir verpflichten uns diesem Ziel, so wie wir uns dazu verpflichtet hatten, Geschlechter-Ausgewogenheit auf der diesjährigen Konferenz zu erreichen.

    Ich glaube, dass Unbounce schon sehr weit gekommen sind, wenn es um die Förderung von Frauen geht.

    Die Aussage, dass es nicht genügend qualifizierte Rednerinnen gibt, traf damals nicht zu – und heute noch viel weniger.

    Tipp: Schau Dir das Online-Event an, das Ben zusammen mit GoToWebinar, Brandwatch, AB Tasty und Marketo auf die Beine gestellt hat. Vier deutsche Speakerinnen von global führenden Marketing-Technologie-Unternehmen verrieten auf dem DMKwomen Ihre Taktiken. Über 600 Zuschauer waren live dabei, 75% davon Frauen.

    Der Artikel wurde von Stefanie Grieser und Amy Wood auf Englisch verfasst und von Ben Harmanus, unserem Head of Community & Content Marketing im deutschsprachigen Raum, für unsere Leser angepasst. Als tatkräftiger Unterstützer der Diversitäts-Bewegung freut sich Ben über Deinen Kommentar!
    Über Stefanie Grieser
    Als 9. Mitarbeiterin von Unbounce leitet Stefanie Grieser heute die Teams für International Marketing, Partnerships und Events. Sie zählt laut Search Engine Journal zu den Top 100 Marketerinnen, denen man folgen sollte und liebt es, eine gute Idee in ein erinnerungswürdiges Erlebnis zu wandeln. Verbinde Dich mit ihr auf Twitter.
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    Über Amy Wood
    Amy Wood ist Redakteurin bei Unbounce. Sie isst für ihr Leben gerne Tacos, liest Grafik-Novellen und verzehrt Netflix-Serien am laufenden Band. Zum Glück lassen sich Tacos immer gut einbinden. Verbinde Dich mit ihr auf Twitter.
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    • Ich finde es großartig, dass Ihr das Thema „Gleichberechtigung“ ernst nehmt, darüber diskutiert, konkrete Richtlinien erarbeitet und sogar ;) danach handelt. Sexismus hat „in a man´s world“ viele Gesichter, das ist leider absolut zutreffend. Spätestens Dein Hinweis auf wirtschaftliche Interessen, sollte jeden Veranstalter zum Nachdenken bringen. Es gibt aber auch Punkte, die gehen mir zu weit, weil sie über das Ziel hinausschiessen und damit selbiges verfehlen. Das beginnt mit dem Wording der Zielsetzung „Geschlechter-Gleichheit“. Nein, ich kann keine Kinder gebären und ich möchte keine Frauen, die meinen, die besseren Männer sein zu müssen. Aus diesem Grund habe ich eingangs den guten alten Begriff der „Gleichberechtigung“ gewählt. Wir sind nicht gleich, wir haben unterschiedliche Stärken und Bedürfnisse und sollten diese besser schätzen lernen. Worin wir gleich sind, das ist das Recht auf Chancen, auf Selbstverwirklichung, auf Anerkennung und auf Glück. Wenn wir mehr Frauen ermutigen und unterstützen, dann macht das Sinn. Wenn wir anfangen sie zu bevorzugen, obwohl ein Mann den besseren Job machen würde – dann diskriminiert das die Frau, genauso wie den Mann. Ein letztes Wort zur Vorgehensweise bei externen Sprechern: Die Guidelines finde ich super und selbstredend werden Sprecher, die ihren Vortrag verkackt haben nicht erneut eingeladen. Aber die totale Kontrolle mittels Freigabe der Präsentationen empfinde ich als pauschalisierendes Misstrauensvotum.

      • Hallo Mirko,

        Ich danke Dir für diesen hilfreichen Beitrag! Die Geschlechter-Gleichheit ist wirklich ein unglücklicher Begriff, den ich nun in die Geschlechter-Vielfalt verändert habe. Auch wenn damit zum Ausdruck kommen sollte, dass auf einer rechtlichen und ethischen Ebene eine Gleichheit angestrebt wird, so ist das Ziel sich durch Vielfalt zu bereichern.

        Natürlich geht es nicht um eine Bevorzugung, die Frauen diskriminiert, da bin ich ganz bei Dir. Hier spalten sich jedoch die Lager und es ist sehr schwer, zu 100% einer Fraktion zuzustimmen. Persönlich halte ich z.B. Quoten für wichtig, da sich ansonsten die Business-Welt zu langsam entwickelt (siehe Vorstände). Ich würde einer Frau deswegen auch nie unterstellen, dass sie nur wegen der Quote, nicht wegen der Qualifikation, ausgewählt wurde.

        Freigabe der Präsentationen: Eine rechtzeitige Abgabe der Folien ist nicht pauschal ein Misstrauensvotum, sondern eine Kontrollinstanz, um ein Event bestmöglich im Interesse der (oftmals viel Geld zahlenden) Besucher zu sichern. Da geht es nicht nur um beleidigendes Material, sondern auch um Qualitätssicherung.
        Das sollte jeder Speaker aus dem eigenen Unternehmen kennen: Da testen unzählige Instanzen wie Redakteure, die Rechtsabteilung, PR etc. doch auch, was veröffentlicht wird. Wieso sollte sich ein Veranstalter da nicht absichern?

        Unser Mitgründer und Speaker Oli hat im letzten Jahr die Qualität der gesamten Veranstaltung durch diese Hilfe angehoben. Ich kenne weitere Beispiele, z.B. verfolgt André Morys von Web Arts/konversionsKRAFT einen ähnlichen Ansatz, und ich habe von einem Speakern gehört, wie dankbar sie für das Feedback sind.

        Es kommt eben immer darauf an, wie man es angeht: Als Kontrollinstanz oder als Mentor – wie so oft im Leben.

        Nochmals, vielen Dank für dieses wertvolle Feedback,

        Grüße, Ben

        • Hi Ben, wie Du schon schreibst spalten sich die Lager, wenn es um Quoten geht. Und sicher gibt es für beide Sichtweisen gute Gründe. Ich glaube, dass zunächst die Schaffung eines neuen Bewusstseins für Gleichberechtigung wichtig ist. Und wenn alle Mittel auf freiwilliger Basis genutzt werden, dann wird sich die Notwendigkeit von Quoten in Luft auflösen. P.S. Es wäre schön, wenn es auch weibliche Kommentare gäbe ;)

          • Hi Mirko,

            Ich sehe getrennte Listen, Speakerinnen-only-Events und Quoten auch nur als Mittel, um die Sinne dafür zu schärfen, dass es bei den Damen nicht an Expertisé mangelt.

            P.S. Bin ebenfalls auf Kommentare/Perspektiven von Leserinnen gespannt.

    • Hallo Stefanie, Amy und Ben,

      finde ich sehr gut, dieses Thema aufzugreifen. Ben hat mit seinem Artikel „75 Marketing-Expertinnen, mit denen du dich vernetzen solltest“ einen guten Anfang gemacht, und jetzt wird das Thema weiter erörtert. Ich denke, dass es sehr viele Frauen und auch Männer gibt, die gute Kenntnisse über ein Fachgebiet haben, aber keine Erfahrung oder Übung haben, wie man darüber spricht. Nicht immer gibt es jemanden, der die notwendige Unterstützung gibt, damit es klappt. Dieser Satz fasst es treffend zusammen: „Ich befand mich in der Bredrouille: Einerseits konnte ich ohne Erfahrung keine Rednerin werden, andererseits konnte ich keine Erfahrungen sammeln, weil ich keine Rednerin war.“
      Ich denke auch, dadurch dass es von der Umwelt unterschiedlich wahrgenommen wird, ob ein Mann oder eine Frau sich um die Karriere kümmert und „sich gut verkaufen“ kann, ist ein Hemmschuh für manche Frauen.
      Vielleicht ist dieser Artikel ein Anfang, mehr Frauen zu unterstützen. Denn es gibt genug kompetente Frauen und wenn man keine kennt, muss man einfach nur in seinem Netzwerk fragen, es gibt immer jemanden, der eine Empfehlung aussprechen kann.

      Viele Grüße
      Claudia

      • Hallo Claudia,

        Da muss ich dir beipflichten: Oftmals hat die Person einen Vorteil, die sich besser verkauft. Bei Bewerbungsgesprächen, in Meetings, auf Konferenzen … Männer trauen sich viel zu (darüber gibt es genug Fachliteratur etc.).

        Wer den Vorteil von Diversität erkennt, der erkennt, dass es wichtig ist, nicht nur den Lautesten, den Mutigsten, den Bekanntesten sprechen zu lassen. Es geht um Expertisé. Es geht um das, was unter der Haube steckt.

        In meinen Augen sollten Frauen da mutiger sein. In Unternehmen, die Frauen da offensichtlich keine Steine in den Weg legen, müssen Frauen wiederum nicht so mutig sein – da die eigenen Kollegen hinter ihnen, nicht im Wege stehen. ;)

        Liebe Grüße, Ben

    • Philipp Stakenborg

      Hey Stefanie & Amy – Ich finde es super gut und wichtig, dass ihr die Branche mal ein wenig wachrüttelt. Schaut man sich mal klassische SEO-Konferenzen an, merkt man schnellt: da wimmelt es nur so von Sexismus und Vorurteilen. Die Gefahr hier abzustumpfen ist natürlich gegeben, darum ist es umso wichtiger zu reflektieren und das Spiel nicht mitzuspielen.

      • Hi Philipp,

        Ich springe für Stefanie & Amy ein. Sie werden aber definitiv alle Kommentare mit mir durchgehen.

        Diese Filterblasen sind gefährlich, da hast du vollkommen recht. Reflektieren ist definitiv der richtige Weg, aber bei dir hatte ich immer den Eindruck, dass du dein Herz am rechten Fleck trägst.

        Danke für deinen Beitrag!

        Ben